Seppi’s Welt

🐶 Eine Hunde Geschichte von Gitte Franken.

In den Hauptrollen: Seppi. Kalle. Pablo.

Die unheimliche Begegnung mit der……

……nein, nicht mit der dritten Art. Lediglich mit einem Artgenossen, namens Seppi.

Nun, Seppi ist ein Terrier, genauer gesagt ein Westhighland, und schon hochbetagt. Diese beiden Komponenten sagen schon mal viel aus. 

Als Westie ist er also rassemäßig einer meiner Vorgänger. Wir erinnern uns? Frauchen hatte in sehr, sehr jungen Jahren ebenfalls einen von dieser Sorte, dieser hörte, wenn er in entsprechender Stimmung war, auf den Namen Moritz. Dies zur Erläuterung, warum Frauchen von einem Fremdhund mal wieder hin und weg war. Hellauf begeistert war sie, als sie Seppi erblickte. Und damit kommen wir zur Begegnung. Und warum diese für mich so unheimlich wurde. Dabei fing alles ganz harmlos los. 

Neues Jahr, neues Glück hab ich mir gedacht, als ich eines schönen Tages mit Frauchen mit durfte. Das kommt ja bekanntermaßen selten vor. Wie sich nach kurzer Fahrt allerdingsheraus stellte, war offenbar nur ein Dorfbesuch geplant. Da machte meine Kinnlade zum ersten Mal Gebrauch von der Schwerkraft, es sollte übrigens nicht bei diesem einen Male bleiben, hatte ich mir doch einen längeren Spaziergang fernab unserer üblichen Wege erhofft.

So ein Dorfbesuch endet oft in unserem Stammlokal, und einer damit einhergehenden endlosen Warterei für uns Hunde. Aber egal, Abwechslung ist Abwechslung hab ich mir gesagt und war deshalb sehr erfreut, als ich plötzlich Curro entdeckte. Curro ist der Hund von Frauchens‘ Freundin. Vielleicht doch ein gemeinsamer Spaziergang??? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wir aber sind nach einem kurzen gemeinsamen Spaziergang, wie sollte es auch anders ein, auf dem Dorfplatz, und damit selbstverständlich in diesem Lokal gelandet. Dort wartete bereits noch eine weitere Frau auf uns, mit besagtem Seppi an der Leine. Allgemeine Begrüßung, auch unter uns Hunden. So weit, so gut.

Die übliche Prozedur begann, wir Hunde wurden zum Auftakt erst einmal neben die entsprechenden Stühle verfrachtet, Curro hat sich sofort unter einen von diesen verzogen und ward für die nächsten Stunden nicht mehr gesehen. Auch Seppi und ich nahmen brav Platz, die Damen gaben ihre Bestellungen auf, die Unterhaltung begann. 

Es war schon eine ganze Weile vergangen, als plötzlich Seppi für uns alle gut hörbar,quengelnde Töne von sich gab. Von der Klangfarbe her eher ein bisschen mürrisch. Sein Frauchen reagierte auf den Punkt und fing sofort pflichtbewusst an in ihrer großen Tasche zu kramen, von Curro und mir aufmerksam beobachtet. Sie brachte einen faltbaren Napf und eine Dose zum Vorschein, füllte den Inhalt selbiger in den Napf und stellte diesen vor Seppihin. 

Ich traute meinen Augen nicht. Nun, kein Wunder, unsere Spezies ist ja nicht unbedingt für Adleraugen bekannt. Aber unser Geruchssinn ist ausgezeichnet, der trügt uns nie. Und dieser Geruch war eindeutig. Aber das kann doch gar nicht sein. Oder etwa doch? Leicht verwirrt entschloss ich mich vorsichtshalber nachzufragen. 

„Uiiii!!!!!! Washasdndudaschönes???“

„Wonachsiehtsnaus???? Das ist mein Mittagessen.“

Aha!! Also doch!! Und was ist mit uns? Mit Curro und mir? Wo bitteschön ist unser Mittagessen? Mein Frauchen machte keinerlei Anstalten mir auch was zu servieren. Bei Currodito.

Nachdem Seppi sein einsames Mahl beendet hatte, machte ich mich auf dem Weg zu seinem Frauchen. Vielleicht hatte sie ja auch noch was für uns, für Curro und mich, doch ich wurde enttäuscht. Schlimmer noch, als sie mich kurz tröstend streichen wollte,  funkte Seppi sofort dazwischen. Unwirsch hat er mich angeblafft. Leicht erschrocken wich ich zurück. Andere Hunde in seinem Beisein streicheln ist nicht, so die Erklärung seines Frauchens. Ich musste also wieder auf meinen Platz. Kinnlade im Zusammenhang mit Schwerkraft, zweiter Teil.Davon mal abgesehen, war die Lage soweit ganz in Ordnung. Bis ein weiterer Artgenosse dazu kam. 

Dieser nahm in Begleitung von zwei Herren am Nebentisch Platz und kam hocherfreut angeschossen um uns zu begrüßen. So ein ganz kleiner war es, ebenfalls Marke Terrier, aber ein Vertreter dieser Haarspangenfraktion. Diese Rasse mit ebenfalls langem Fell, benannt nach irgend so einer Grafschaft oder so was in der Art drüben auf der Insel. Der Name fällt mir jetzt nicht ein, ist ja auch egal. Jedenfalls, Seppi machte sich auf den Weg um Hallo zu sagen. Selbiges wollte ich ebenfalls tun, ich bin ja höflich. Doch weit kam ich nicht. Kaum hatte ich mich angenähert, kam augenblicklich ein Verweis von Seppi. Aber was für einer. Der hat mich derartig heftig angefaucht, dass ich mit allen Vieren einen Satz zur Seite gemacht habe, so erschrocken war ich. Also so geht’s aber auch nicht, deshalb habe ich verhalten zurück gefaucht. 

„Ja also sag mal, spinnst du? Wat soll dat denn? Ich hab doch gar nichts gemacht.“

„Doch, ich bin erst mal dran mit der Kontaktaufnahme.“

„Kontaktaufnahme? Was denn für eine Kontaktaufnahme? Ich wollte ihn doch nur begrüßen.“

„Ja, eben. Ich begrüße und sonst keiner. Hier habe ich das Sagen. Schließlich bin ich der Älteste hier in dieser Runde.“

„Ja und? Das mag schon sein, aber deshalb kann ich doch trotzdem…..“

Weiter kam ich nicht, Frauchen hat mich energisch an der Leine wieder auf meinen Platz zurück beordert. Curro lag weiterhin unter seinem Stuhl, hat sich das Ganze nur interessiert angeschaut und gar nichts dazu gesagt. 

Ich war bedient. Meine Kinnlade folgte zum dritten Male dem Gesetz der Schwerkraft. Aber so richtig heftig, ich wäre, wenn ich nicht schon gelegen hätte, drauf getreten. Ich war so was von sauer, beleidigt außerdem noch und hab vor mich hin sinniert. 

Was fällt dem denn eigentlich ein? Mich derart an zu maulen. Was ist das denn für eine Art und Weise? Also mit dem ist ja nicht gut Kirschen essen. Wie ist der denn drauf? Also der ist mir nicht geheuer, absolut nicht, um nicht zu sagen, der ist mir sogar etwas unheimlich. Kalle, dem kommst du besser nicht mehr in die Quere, hab ich so bei mir gedacht.

Was für ein scheiß Ausflug. Endlose Sitzerei, kein Essen, sagen darf ich auch nichts. Ich muss zugeben, meine Laune ging stark gegen Null. Ich habe mich von Seppi abgewandt und in die andere Richtung geschaut. Ich wollte ihn gar nicht mehr sehen. 

Nach einer gewissen Zeit hab ich mich aber doch wieder ein klein wenig entspannt. Ttrotzdem behielt ich die ganze Situation natürlich im Auge. Schließlich bin ich ein Hütehund. 

Und so entging es mir selbstverständlich nicht, als sich Seppi plötzlich erhob und schnurstracks in meine Richtung marschierte. Langsam kam er an, schnell kann er ja nicht mehr, der alte Knacker.

Panik überkam mich. Was, wenn er mich jetzt wieder so von der Seite anmacht? Brauch ich nicht noch mal, mir reicht’s für heute. Was soll ich denn jetzt machen? Ruhig Blut, Kalle, tranquilo. Du musst einer weiteren prekären Situation aus dem Weg gehen. Deshalb hab ich mich von meinem Platz erhoben und bin ganz vorsichtig hinten am Stuhl vorbei auf die andere Seite ausgewichen. 

Dummerweise blieb das von Frauchen nicht unbeobachtet. Sofort fragte sie sein Frauchen, ob sie das jetzt mitgekriegt habe. Nein, habe sie nicht. Na Gott sei Dank, so mein Gedanke. 

Jedenfalls, diese für mich höchst peinliche Situation sollte sich noch einmal wiederholen. Dieses Mal hat es Seppis‘ Frauchen leider ebenfalls bemerkt. Ich wollte nur noch weg, außerdem überschlugen sich meine Gedanken. 

Was, wenn das publik wird? Wie steh ich denn dann vor den anderen da? Vor Pablo und Brandy? Nun gut, da bleibt es innerhalb der Familie. Aber was, wenn zum Beispiel Lucky davon erfährt? Dieser Halbstarke aus der Nachbarschaft. Der mir gegenüber immer mal wieder den Aufstand probt, der mich anstänkert, natürlich nur aus sicherer Entfernung .

Oder Estrella? Die riesige Mastin Dame. Der hab ich einmal in ihrer frühen Jugend kurzBescheid gesagt, seitdem geht sie mir aus dem Weg. 

Ich sah die Parallele zu meiner eigenen, jetzigen Situation. 

Himmel hilf, ich wäre blamiert bis auf die Knochen. Dieser Autoritätsverlust!!! Ich, Kalle, alleiniger Chef in unserem Zuhause. Unumstrittener Herrscher unseres Hügels. Mich würde ja keiner mehr ernst nehmen. Ich, Kalle, der Unerschrockene, der sich gerne mit jedem größeren Rüden anlegt. Ich nehme Reißaus vor so einem altersschwachen, von Arthrose geplagten Zwerg!! Ich wäre blamiert bis in alle Zeiten. 

Tagelang hab ich Blut und Wasser geschwitzt und gebetet, dass Frauchen diesbezüglich ihre Klappe hält. Hat sie offenbar, denn Lucky wagt sich nach wie vor nicht zu nahe an mich ran und auch Estrella geht mir immer noch brav aus dem Weg. Auch bei meinen Pappenheimern, sowohl bei den vier- als auch bei den zweibeinigen, habe ich meine Chefstellung nach wie vor noch inne. 

Ich kann jetzt nur inständig hoffen, dass sie mich zu so einem Treffen nicht nochmals mitschleppt. Auf ein Wiedersehen mit ihm lege ich absolut keinen Wert. Soll sie doch Pablo  mitschleppen. Soll der doch sehen, wie er mit Seppi klar kommt. In Pablo steckt ja viel von einem Terrier, so Frauchens‘ fachkundige Analyse, dann begegnen sich die beiden ja auf Augenhöhe. Passt!!! Wunderbar!!! Und ich bin Gott sei Dank aus dem Spiel.