Kambodscha

3. Januar 2013
Wir kamen nur nach Kambodscha, um Angkor Wat zu sehen. Nach noch nicht einmal 24 Stunden sind wir völlig begeistert, ja geradezu überwältigt, von diesem Land.

Einreise: Wo wir in Vietnam 1 Stunde auf unsere Visa warten mussten, von muffligen Einreise-Beamten bedient wurden, und alles total chaotisch ablief, verlief unsere Einreise hier gestern wie am organisierten Schnürchen. Fast Deutsche Ordentlichkeit. Aufgereiht saßen 14 Einreise-Beamte, und 2 Supervisor nebeneinander. Antrag ausfüllen, Bezahlen (USD20 pro Person, für mich USD1 mehr, da ich kein Passbild dabei hatte), Visa in Pass und Pass wieder abholen (dabei wurden wir mit einem Lächeln aufgerufen: Claudia Sabine, your pass is ready)- das alles dauerte ca. 8 Minuten! Unfassbar! Taxi Fahrt für USD7 ins Tara Hotel – Fahrtzeit 12 Minuten. Nicht mal eine Stunde nach der Landung in Siem Reap waren wir im Hotel. Wie angenehm!

In der Provinz Siem Reap leben mittlerweile 2 Millionen Menschen (die Provinz umfasst 100 x 120 km). In der Stadt Siem Reap leben 200.000 Einwohner, vor 5 Jahren noch waren es nur 50.000. Die Stadt wächst rasant, Neu-Bauten, Baustellen sind überall zu sehen.

Abends schnappen wir uns ein Tuc-Tuc, und tuckern zur Pub Street und zum Night Marktet. Hier tobt das Leben! Yes! Genial! Es erinnert an Thailand: Massage, Mani & Pedi, Stände mit Shirts, Tischläufern, Seifen, Kunsthandwerk, Schmuck wohin aus Auge reicht. Haben uns erst mal eine Fuß-Massage gegönnt, für USD2 (zwei)! Und dann die Khmer Küche: Herrlich. Man wählt zwischen Fisch und Fleisch und bekommt das gemixt mit Gemüse und Gewürzen. Welchen Gewürzen? Keine Ahnung! Schmeckte toll!

4. Januar 2013
Besichtigung Angkor Thom
Private Guide (USD25 inkl. Tuk-Tuk Fahrt) halber Tag, das wurde uns empfohlen: vormittags Besichtigungen, nachmittags Pool. Eine weise Entscheidung, nach 4 Stunden Besichtigung sind wir platt (bei der Hitze).

Unser Tour Guide ist angestellt vom Tourismus Ministerium. Um als Tour Guide zu arbeiten, hat er eine 1jaehrige Ausbildung durchlaufen, die Geschichte, Sprache und den Umgang mit Touristen umfasste. Er wird nur bezahlt, wenn er arbeitet, in der Regen-Zeit und Nebensaison von April bis Oktober ist das nicht so gut, sagt er. Der Taxifahrer gestern sagte, in seinem nächsten Leben will er in Deutschland geboren werden, dann kann er studieren. Und wieder einmal bemerken wir, mit wie viel Glück wir in Deutschland geboren wurden, und wie viele Hartz4 Empfänger nichts aus ihrem Leben machen. Andere Nationen haben die Wahl einfach nicht, und würden so gerne mehr aus ihrem Leben machen.

Geschichte Kambodschas
So viele Kriege…… gegen Vietnam. Gegen Thailand (sie nennen es Siam). Gegen sich selbst (Bürgerkriege ständig und immer wieder). Gegen China. Meine Güte, wie kann man sich permanent so fetzen? Mit so vielen Toten. Die Roten Khmer haben nach den Nazis das schrecklichste Verbrechen zu Menschen-Gedenken hinterlassen: Und das war erst in den 70er Jahren. Vor so kurzer Zeit. Die Bevölkerung Kambodschas betrug damals 7 Millionen Menschen, die Roten Khmer haben das beinahe halbiert. Nach dem Ende der Herrschaft kamen auf 3 Frauen, nur 1 Mann, alle anderen waren gefoltert, hingerichtet und umgebracht worden. Wie schrecklich. Alle Studierten wie Lehrer und Ärzte wurden umgebracht. Übrig blieben nur die „freiwilligen Unterstützer“ der Roten Khmer, viel Landbevölkerung und….. Kinder! Zum Ende der Khmer Herrschaft war der Durchschnittssoldat 13 Jahre alt. Nach Angkor wollen wir nach Phnom Penh, ich bin nicht sicher ob ich mir die Killing Fields ansehen kann…..

Angkor (2)5 Januar 2013
Angkor Wat wurde mit Spendengeldern von Prinzessin Diana von Landminen befreit, das war 1991.

Restaurierungen …
„Allein in Angkor Wat wurden mehr Steine verbaut als in der Cheopspyramide. Dann kommen die Tempel in der näheren Umgebung. Außerdem gibt es heilige Wälder, in denen Tierfiguren aus dem Fels geschlagen wurden: Restauratoren haben hier wirklich genügend Arbeit“, sagt Emmeline Decker. Sie ist in Angkor die Verantwortliche des „German Apsara Conservation Project“. Der Kölner Fachhochschulprofessor Hans Leisen hat das Projekt 1995 initiiert. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts und der Hilfe diverser Sponsoren werden die vom Verfall bedrohten Reliefs des Areals konserviert. „Der Sandstein kann aufblättern, abschuppen, abschalen, absanden oder abbröckeln“, erklärt die Expertin. „Das ist wie beim Doktor: Fertig bist du nie.“

Dass das deutsch-kambodschanische Team so viel Arbeit hat, liegt nicht nur am nagenden Zahn der Zeit, sondern auch an unklugen Restaurierungsmaßnahmen in der Vergangenheit. Erst kamen die Franzosen und rodeten in Angkor Wat viele Bäume, so dass inzwischen die Sonne ungeschützt auf den Stein brennt – der sich nach einem Regenschauer schlagartig abkühlt, porös wird und zu zerfallen beginnt. Dann kamen die Inder – und leisteten ganze Arbeit. „Da wurden die Flechten mit Drahtbürsten abgekratzt, zack-zack“, sagt Emmeline Decker mit blitzenden Augen, und man versteht ihre ehrliche Empörung, dass man diesen Tempel, ihren Tempel, einst derart unsanft behandelt hat.

Später spritzten die ungelernten Arbeiter Ammoniak und spülten die Fassaden mit ungereinigtem Wasser aus dem Umfassungsgraben ab – woraufhin plötzlich Algen und Bakterien auf dem Stein gediehen. Auf Postkarten sieht man Angkor Wat noch in Weiß erstrahlen, doch das ist seither vorbei: Innerhalb von ein paar Jahren wurde alles schwarz. War das alles? „Sie haben versucht, den Stein mit Acrylharz wasserdicht zu machen. Das ist wie eine Regenjacke ohne Gore-Tex: Wasser, das im Stein drin ist, kann nicht mehr raus – alles geht kaputt.“

Januar 6, 2013
Siam Reap
2 Tage in Angkor Wat, Angkor Thom, Bayon und 2 anderen Tempeln haben unser Bedürfnis nach „alten Steinen“ erst mal gestillt. Alte Steine, zum Teil wahre Trümmerhaufen, anders kann man das kaum beschreiben. Beim Durchlaufen durch die Tempel hatte ich einige Male beinahe Schiss, so einen Stein auf den Kopf zu bekommen. An einigen Tempeln gibt es Restaurierungsarbeiten, andere verfallen einfach. Auf Nachfrage sagt unser Tour Guide: „Wir können nicht alle restaurieren, aber wir haben ja genug Tempel“. So kann man das natürlich auch sehen. Das meiste Geld für die Restaurierung kommt aus dem Ausland, z.B. Indien. Die Arbeiter sind jedoch Kambodschaner.

Oberschenkel-Muskelkater hatten wir vom Tempel-Kraxeln, aber wie! Und mein Rene, der doch große Höhenangst hat, ist auf den steilsten Tempel überhaupt gekrabbelt. Mir war schon vom Zuschauen schlecht. Respekt Schatzi!

Rene sagte gestern im Rückblick auf diese 2 Tage: Bei all den alten Steinen und Tempeln fehlen ihm jedoch Infos, was die Menschen früher dort wo gemacht haben. Haben sie nur gebetet? Wie oft? In welche Richtung? In den mexikanischen Pyramiden wusste man genau, hier war der Ballsportplatz, hier wurde hingerichtet, etc. Das fehlt hier ein wenig.

Trotzdem, sind diese Anlagen traumhaft. Ich bin froh, dass wir hier gewesen sind. Denn wer weiß, wie es in xx Jahren hier aussieht? Die Touristen Zahlen steigen und steigen, jeder latscht mit seinen dicken Touristen-Füßen über die alten Steine, grabscht die in Stein geschlagenen Reliefen an, und der ein oder andere nimmt bestimmt hier und dort etwas mit. Werden die Anlagen nicht besser geschützt, könnte es in absehbarer Zeit noch schlimmer aussehen.

Floating Village and Forrest (2)7. Januar 2013
„Floating Village“ und „Floating Forrest“ Kompong Phluk
Eine extrem interessante Erfahrung. Verlässt man die Touristen Hochburg Siem Reap, blickt man der armen Landbevölkerung nur 10 KM außerhalb direkt in die Augen. Kambodscha ist ein Entwicklungsland, und es fehlt noch an allen Ecken und Enden. Zum Beispiel: Bildung! Da die Khmer alle Schulen zerstört haben, gibt es bis heute nicht genug neue Schulen. Jede Familie hat 4-5 Kinder (das Land braucht ja auch Nachwuchs, nachdem 2-3 Mio. Menschen umgebracht wurden oder verhungert sind). Ein Schulbesuch ist jedoch nur für das erste Kind kostenfrei. Alle weiteren Kinder zahlen USD40 pro Monat – viel zu viel für die Land-Bevölkerung. Zudem fehlt es den Familien sowieso Geld, als Konsequenz müssen die Kinder arbeiten, meist auf den Feldern. Oder sie betteln. An den Touristen Punkten (Boot An- und Ablegestellen, Restaurants…) sieht man viele Kinder betteln und – oder Getränke und Essen verkaufen.

Nett finde ich, dass Kambodschaner Hunde mögen. Sie dienen als Wachhunde und passen auf das Haus auf.

Morgen geht es weiter nach Phnom Penh. Erst wollten wir den Bus nehmen, der uns mit 6 Stunden angegeben wurde. Andere Reisende erzählen jedoch von 8-10 Stunden, Bauarbeiten und vielen Stopps. Danke Nein, wir haben nun einen Flug gebucht.

IMG_00629 Januar 2013
Phnom Penh – Killing Fields
Das hat mich emotional völlig ausgelaugt. All diese Menschen die dort von 1975 – 1979 umgebracht wurden, während ich mit der Schultüte um den Weihnachtsbaum gelaufen bin. Diese Verbrechen sind eben nicht in der lange zurück liegenden Vergangenheit geschehen. Sondern zu meiner Lebenszeit. Schrecklich!

Und es kam noch schrecklicher: die Besucherwege, auf denen wir mit unseren dicken Flip-Flop-Füssen herumliefen, waren voller Knochen! Erst dachte ich, es seien Äste. Bei genauerem Hinsehen, sah ich das es Knochen waren. Die Massengräber sind nicht vollständig ausgegraben, in jeder Regenzeit werden unzählige Knochen und Kleidungsstücke hochgespült.

Und abends stellten wir uns Fragen, die kein Reiseführer beantwortet:
– Wie konnten die Roten Khmer am 17. April 1975 die 1 Millionen Stadt Phnom Penh innerhalb von 3 Tagen leerfegen, alle Städter aufs Land treiben und eine Geisterstadt hinterlassen?
– Wie viele Mitglieder hatten die Roten Khmer?
– Woher kamen die Waffen – Gelder – Unterstützer? (Wikipedia gibt nur wenig Auskunft. Die Amis, Briten und Deutschen hingen wohl auch ist drin)

Und es war 1979 vorbei. Warum finden die Kriegs-Tribunale erst seit 2007 statt? Pol Pot lebte immerhin bis 1998, und starb unter mysteriösen Umständen (Selbstmord?).

Abends bin ich völlig am Ende und bin um 20 Uhr ins Bett. Furchtbar.

12. Januar 13
Kep – Das ehemalige St. Tropez von Kambodscha
Nach einer Woche Angkor und Phnom Penh sind wir nun an der kambodschanischen Küste, in Kep. 3 Tage relaxen am Pool. Herrlich. In den 60er Jahren wollte die damalige Regierung aus Kep das St. Tropez von Asien machen. Dann kam Pol Pot…….Das Veranda Natural Ressort ist ausschließlich aus Holz und Steinen gebaut, kein Plastik. Toll! Ganz gemütlich, mit herrlichem Ausblick auf das Meer.

Kambodscha ist ein faszinierendes, noch sehr Wildes, Land. Die 4 stuendige Fahrt von Phnom Penh nach Kep ging häufig über nicht asphaltierte Straßen, umkurvte Baustellen und zeigte uns das arme Landleben.

Wir treffen Leute, die an Charity Projekten im Land arbeiten. Auch hier muss man erstmal den Dorf-Sheriff, aka Bürgermeister-Vorturner-Dorf ältesten, überzeugen, dass Kinder zur Schule gehen sollen. Derzeit helfen die meisten Kinder bei der Feldarbeit, die Familien brauchen das Geld. Dann muss die Infrastruktur einer Schule gegeben sein: gibt es kein fließendes Wasser, dann gibt es kein Klo und dann gehen die Mädchen nicht zur Schule. Interessant, was man alles Bedenken muss (was in Westeuropa einfach Standard ist).

Kambodscha nach Vietnam zu Fuss (1)15. Januar 2013
Von Song Saa (Kambodscha) nach Phu Quoc (Vietnam)
100 Kilometer in 15 Stunden
Nach 3 traumhaften Tagen auf der Privatinsel Song Saa geht es zurueck nach Vietnam. Unser nächstes Ziel, Phu Quoc Island, liegt zwar direkt von der kambodschanischen Küste. Man muss aber bis nach Ha Tien an die Grenze fahren, um nach Vietnam einzureisen. So ein Blödsinn, im Detail ging das wie folgt:

8 Uhr mit dem privaten Speed Boot aufs Festland, ziemlich raue See, mir gefällt es, ich sitzt vorne!
9 Uhr Taxifahrer wartet schon, und bringt uns:
12 Uhr nach Ha Tien, an die Grenze nach Vietnam. Die Grenze darf der Taxifahrer nicht passieren, also laufen (!!) wir mit unserem Gepäck ca. 1.5 KM von Kambodscha nach Vietnam. Das ist schon bizarr. Toll und abenteuerlich!
13 Uhr Einreise Vietnam, zu Fuß (Einreisebeamte = Schlaftabletten)
Für 1 Dollar wird unsere Körpertemperatur gemessen!
13.15 Uhr schneller Mofa Transfer zur Fähre.
13.30 Uhr Fähre nach Phu Quoc – 20 USD
15 Uhr Ankunft und Taxi (die Mini Busse nerven uns, wir haben Hunger)
16 Uhr Hotel Eden am Long Beach
Puh. Zu k.o. um heute noch rauszugehen.

15 Tage in Kambodscha haben uns so gut gefallen, viel besser als das kommunistische, von Russen überlaufene, und von Chinesen regierte Vietnam. Kambodscha ist buddhistisch geprägt, das merkt man extrem im Vergleich zu den eher plump und uninteressiert wirkenden Vietnamesen.

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