Kurzgeschichten aus unserem neuen Wohnsitz am Arabischen Golf

Kamel mit Quinoa

Aufgrund der vielen Nachfragen (danke dafür!) beginnen wir mit Rocky. Ihm geht es gut! Er ist wieder ganz der alte, verspielte und verschmuste Rocky, der seinen Ball über alles liebt. Die Flugreise in der Box hat er ohne Traumata überstanden, da sind wir mittlerweile sicher. In den ersten Tagen war er etwas lethargisch und wir dachten, es läge an der Eingewöhnung. Aber nein! Es lag am Futter!

In Spanien hatten wir immer frisches Futter für Rocky bestellt, das ohne chemische Zusätze eingefroren geliefert wurde. Während der einwöchigen Reisezeit bekam er Dosenfutter aus dem Supermarkt. In Dubai haben wir jetzt Wunderdog  gefunden. Das Futter wird ebenfalls gefroren und ohne Zusätze geliefert. Er bekommt nun „Kamel mit Quinoa” und „Rind mit Rote Beete”. Und schwupps. Kaum bekommt Rocky gutes Futter, fliegt der Fellmann wieder über den Rasen und durchs Haus. Ein dreifaches Wau, Wau, Wau von Rocky!

Mit Hund in Dubai

Aber leider: So richtig hundefreundlich ist Dubai nicht. In keiner Mall sind Hunde erlaubt und bei Tiefgaragen-Temperaturen von 35 Grad kann man das Tier auch nicht im Auto lassen. Derzeit stimmen René und ich unsere Meetings so ab, dass immer einer von uns zu Hause ist. Das geht auf Dauer auch nicht, wir suchen nach einer Lösung. Daycare, wahrscheinlich?! Mal sehen.

Auch das Verhalten gegenüber Hunden bei Lieferanten und zum Beispiel Gärtnern reicht bis zum entsetzten Zurückspringen, mit weit aufgerissenen Augen. Armer Rocky, sein Selbstbewusstsein leidet ein wenig darunter.

Englisch ist nicht gleich Englisch

In Dubai ist Englisch die Hauptsprache. Aber: Englisch ist nicht gleich Englisch. Die Dialekte, Akzente und Nuancen, mit denen hier Englisch gesprochen wird, sind äußerst vielfältig. Das kann verwirrend sein. Vor allem am Telefon sind sie oft sehr schwer zu verstehen. Rene telefoniert mit einem Versicherungsmakler, der wahrscheinlich aus Indien stammt. Das ist schwierig. Das Angebot kommt schriftlich, dann verstehen wir es. Meine erste Pilates-Lehrerin ist Russin und spricht mit Schallgeschwindigkeit. Auch das war schwierig. Ich turne einfach nach. Die zweite Pilates-Lehrerin ist Britin, das verstehe ich besser.

Ich finde Akzente charmant und überhaupt nicht schlimm. Ich selbst konnte meinen deutschen Akzent nie ablegen. Für das Bavarian Beerhouse ist es sogar von Vorteil, mit deutschem Einschlag authentisch zu klingen. Wir werden uns auch an die anderen Einschläge gewöhnen.

Schneller als der Schall: Lieferdienste

Das hatten wir schon gehört. In Dubai kauft man nicht selbst ein, sondern lässt sich alles liefern. Das wollten wir natürlich ausprobieren, denn wer trägt schon gerne schwere Einkaufstaschen? Die App Careem bietet alles, was der faule Mensch auf dem Sofa braucht: Take aways, Supermarkteinkauf, Taxi inklusive Schulweg und Hundetransport, Autovermietung und vieles mehr.

Wir beginnen mit dem Supermarkteinkauf. Wir geben alles ein, bezahlen und schicken die Bestellung um 16:05 Uhr ab. Lieferung um … Trommelwirbel … 16:22 Uhr. Kein Witz! Nach nur 17 Minuten klingelt es an der Tür und der Lieferservice bringt die Bestellung. Das gibt’s doch gar nicht, denken wir. Am nächsten Morgen probieren wir es noch einmal: Bestellung um 9:02 Uhr, Lieferung um 9:17 Uhr! Wir haben keine Ahnung, wie das funktioniert, aber es ist fantastisch.

Dinner: Was essen wir abends?

Die Küche unserer Mietvilla ist eher spartanisch ausgestattet und wir haben kaum Gewürze. Da kommt wieder Careem ins Spiel, die Liefer-App. Dort sind Restaurants aus aller Welt aufgelistet, die einem alles liefern. Anstatt selbst zu kochen, essen wir uns fröhlich durch die ganze Welt: Diese Woche gab es Japanisch, Mexikanisch und Libanesich/Türkisch. Lecker! Eine Bestellung kostet circa 50 Euro und das Essen reicht für zwei Tage. Ich glaube nicht, dass selbst Kochen viel günstiger wäre, denn die Preise in den Supermärkten in Dubai sind ziemlich hoch.

Ich habe mir die Brüste machen lassen!

Im Pilates-Studio. Reformer Pilates, mit den Maschinen, das mache ich seit einem halben Jahr, und natürlich gibt es das auch in Dubai. Also neues Studio, neue Gruppe, neue Trainerin. Wie immer fragt sie am Anfang nach Verletzungen: „Schulterprobleme? Knieschmerzen?“ Meine Nachbarin hebt die Hand: „Ich habe mir die Brüste machen lassen!“ Ich muss grinsen – das ist Dubai. Wer hat schon Schulter oder Knie? Hier geht es um andere Operationen!

Die Pilates-Kurse hier sind übrigens knackig! Mein vorheriger Kurs im Schnarchnasenland Andalusien war dagegen ein Rentnerkurs. Hier geht’s zur Sache! Ein Tag Pilates – drei Tage Muskelkater. Werde mich daran gewoehnen. Leider sind die Kurse aber nicht kommunikativ. Weder sagt man „hallo“, noch spricht man miteinander. Alle hängen bis zum Start nur am Handy, und danach auch wieder. Komisch. Blöd.

Nichts geht ohne WhatsApp

Die Kommunikation ist so schnell wie der Lieferservice, und es gibt nur einen wichtigen Kanal: WhatsApp. In Dubai geht nichts ohne WhatsApp. Telefonieren über WhatsApp ist allerdings verboten. Macht das Sinn? Man erhält gefühlte 100 WhatsApp-Nachrichten am Tag, inklusive Sprachnachrichten, aber telefonieren darf man nicht.

Say Hi to Heidi
Es geht voran! Bavarian Beerhouse Dubai is loading……

Natürlich arbeiten wir jeden Tag am Business. Auf meiner To-do-Liste stehen das Marketing und als erster Schritt ein Branding-Update. Das ist geschafft: Heidi ohne Dekolleté hat ein moderneres, aber trotzdem traditionelles Update erhalten. Ein Facelift für unsere Frontfrau. Eine PR- und Social-Media-Agentur ist gefunden, derzeit verhandele ich mit Fotografen. Unsere Mitgliedschaft in verschiedenen Klubs, wie der Deutschen und Britischen Industrie- und Handelskammer sowie verschiedenen Networking-Gruppen, ist beantragt.

Die Firma ist gegründet, eine Mainland Trading Company namens Bavarian Restaurant LLC. Für die Emirati ID und die Visa benötigen wir den Mietvertrag des Restaurants, der hoffentlich nächste Woche kommt.

René hat von den Architekten das Küchen-Design erhalten. Eine Halal-Küche und nebenan die Non-Halal-Küche. Also Schwein streng getrennt von Nicht-Schwein. Mit unseren beiden potenziellen Köchen stehen wir im regen Austausch. Im nächsten Schritt besprechen wir die Speisekarte.

Es geht also flott voran. Abends weiß man manchmal gar nicht mehr, was man morgens gemacht hat, weil so viel passiert. Aber genau das wollten wir ja: endlich wieder Business, endlich wieder beschäftigt sein.

Wegen des Stinkefingers in den Knast?

Autofahren, Teil 2. Es wird langsam, ich wage mich auf die Straßen. Zunächst einmal auf die Nebenstraßen, aber immerhin. Die Sheikh Zayed Road, die Hauptachse von Nord nach Süd, ist für mich immer noch das Grauen. Dabei sind alle Autofahrer super unhöflich: Niemand lässt einen rein, im Gegenteil. Wenn man blinkt, tritt der Hintermann erst recht aufs Gas, um die Lücke zu schließen. Danke schön! Entsprechende Handzeichen darf man auch nicht machen, das wird mit Gefängnis geahndet, hat mir unser Grafikdesigner erzählt. Okay, wegen eines Stinkefingers oder des Zeigens des Vogels will ich nicht ins Gefängnis, also meckere ich still vor mich hin.

Gut ist: Die Parkhäuser in den Malls sind für vier Stunden kostenfrei! Außerdem sind die Parkplätze groß genug und damit geeignet für die Autos in Dubai. Hier gibt es nur große Fahrzeuge, SUVs und Jeeps, und davon die maximale Version. Wir haben tatsächlich noch keine kleinen Autos gesehen.

Und zum Abschluss nochmal RockY im Hunde Park

„Rainbow! Hol die Ente! Lauf!“ Und Rainbow rennt los und holt die Ente. Angetrieben von einer zierlichen Asiatin, die sich als Rainbows Tagesmutter entpuppt. Ich bin im Hundepark. Und ich bin die einzige wirkliche Besitzerin der Hunde. Alle anderen sind Tagesmütter DayCare. Ausgestattet mit riesigen Taschen, die alles enthalten, was das Hundeherz begehrt: Enten und zahlreiche andere Quitsche-Tiere, Bällchen, Flugknochen, Leckerlis und natürlich Wasser. Rainbow, Romeo und später auch Honey und Cheeky haben ihren Spaß. Rocky weniger. Zu viele Hunde? Zu heiß? Es ist 8 Uhr morgens und schon 30 Grad. Wenigstens können die Hunde ohne Leine spielen – morgen gehen wir wieder hin. Und dann holt RockY hoffentlich auch irgendwann die Ente.

 

Nichts geht ohne WhatsApp, aber ohne telefonieren.
Dubai 2025

RockY the office dog
RockY the office dog

Das war unsere zweite Woche in Dubai. Vielen Dank für euer Interesse! Die Kommentar-Funktion sollte nun auch funktionieren (danke an meinen Cousin, der mich darauf hingewiesen hat). Wenn ich Zeit habe, schreibe ich weiter und berichte, wie es uns ergeht. Hier könnt ihr den Newsletter abonnieren:

2 Comments

  • Anonym
    Posted Mai 18, 2025 12:33 0Likes

    Eure Berichte sind sehr schön geschrieben und man hat manchmal das Gefühl dabei zu sein. Freu mich sehr das Rocky sich langsam eingewöhnt. Und dann klappt das auch mit der Ente….Euch viel Erfolg bei dem neuen Vorhaben und behaltet bei all dem gebrassel einen klaren Kopf trotz der hohen Temperaturen…bin sehr gespannt wie es weiter geht…..

  • Andreas
    Posted Mai 18, 2025 11:58 0Likes

    Sehr schönes Bericht über Eure zweite Woche. Endlich mal Parkhäuser wir man bequem ein parken kann und ich bereits mit einen VW Golf kurbeln muss und anschliessend über den Kofferraum aussteigen muss, wie es oft in Deutschland ist.
    Wenn Ihr mal etwas anderes erleben wollt, besorgt Euch Karten für die Formel 1 nächstes Jahr.

    Liebe Grüße
    Andreas

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