Die erste Woche in Dubai

„Diese Stadt wird unser Leben verändern”.

Das sind die Worte, die mir bei der Landung durch den Kopf gehen. Die Räder des Flugzeugs setzen auf der Landebahn auf und wir sind in Dubai. Für immer. Oder zumindest für eine lange Zeit. Unser neues Zuhause. Eine neue Stadt, ein neues Land, ein neuer Kontinent. Für Rene das 10. Land, in dem er lebt und arbeitet. Für mich nach England und Spanien das 4.Land und der erste außereuropäische Kontinent.

Rocky im Frachtraum
RockY im Frachtraum

Als erstes und wichtigstes muss natürlich Rocky aus dem Cargo geholt werden. Ich habe monatelang alles, wirklich alles versucht, um einen “shared private jet” von Spanien aus zu bekommen. Ohne Erfolg. Es gibt einige Private Jet Companies, die PetInCabin anbieten, aber meistens ab London. Also musste Rocky in den Frachtraum. Zu allem Ueberfluss verzögerte sich unsere Abreise noch um 5 Tage, da ein Stromausfall ganz Portugal und Spanien lahmgelegt hatte und wir die notwendigen Zollpapiere nicht rechtzeitig online bekamen. So saßen wir 5 Tage in Madrid fest, ohne Motivation das Hotelzimmer zu verlassen. Einfach nur genervt von der Verzögerung. Renes bester Spruch: “Wenn wir hier noch länger rumliegen, kriegen wir Thrombose”. Fand ich lustig.

Irgendwann ging es dann los. Rocky unten im Frachtraum, wir oben im Flugzeug. Sowohl die Stewardessen als auch der Kapitän wurden von uns belagert: “Unser Hund ist unten, bitte sehen Sie nach ihm. Stimmt die Temperatur? Nicht, dass er erfriert…”. Alle wussten Bescheid und alles ging gut. Am nächsten Morgen dann ein fast dreistündiger Hindernislauf durch alle notwendigen Stellen, um den Hund aus dem Cargo zu holen: Zoll. Einreise. Tierarzt. Kontrolle. Abholstelle. Dann hatten wir Rocky wieder, am Stück und ohne Trauma. Übrigens: Übrigens: Rockys Reise hat mit allem Drum und Dran, Zollgebühren usw. über 2000 Euro gekostet. Der Hund gehört zur Familie, das haben wir natürlich bezahlt.

Dauerbaustelle Dubai

Unser erstes AirBnB war eine Katastrophe. Mitten in einem Neubaugebiet, in dem fast kein Haus fertig war. Von diesen Neubaugebieten gibt es viele in Dubai. Sehr viele. Man sagt, dass 70 Prozent aller Baukräne der Welt in Dubai stehen. Das glaube ich sofort. Überall wird gebaut, gebuddelt, in die Höhe und in die Breite. Unzählige neue Siedlungen entstehen, in allen Preisklassen. Je weiter man in die Wüste geht, desto billiger wird es. Aber wer will schon am Arsch der Welt wohnen? Ich nicht, ich hatte Campo in Spanien und das hat mir gereicht.

Area research – Wo wollen wir wohnen?

Wie schon in London machen wir zunächst eine Rundfahrt: In welcher Gegend fühlen wir uns wohl, wo wollen wir wohnen? Für die ersten drei Monate mieten wir ein möbliertes Haus, so lange dauert es, bis unsere Möbel per Container ankommen. Wir probieren ein weiteres AirBnB im JVC Jumeirah Village Circle. Leider ist auch das ein totaler Flop: Das Haus liegt direkt gegenüber einer riesigen Baustelle, auf der von 7 Uhr morgens bis 21 Uhr abends gearbeitet wird. Lärm und Staub machen Haus und Garten unbewohnbar.

Einen ganzen Tag lang fahren wir umher und erkunden verschiedene Gegenden. Dann haben wir es gefunden, eine Gegend, die uns gefällt: The Springs! Eine ‘gated community’, mit kleinen und großen Villen, Einkaufszentren, Fitnessstudio, Pool und sogar einem Hundepark. Ein bisschen wie die Truman Show. Aber egal. Hier ist Ruhe. Hier ist es schön. Wir ziehen ein.

Gesalzene Mietpreise

Die Mietpreise in Dubai sind durchaus knackig. Günstig ist es 40 Autominuten außerhalb in Neubaugebieten wie Damac Hills 2, wo eine 3-Zimmer-Villa für rund 2.500 Euro im Monat zu haben ist. Dieser Richtwert verdoppelt sich leicht, wenn man näher an Dubai heranrückt, wie Arabian Ranches oder The Springs.

Die Autobahn des Grauens

Autofahren in Dubai ist derzeit noch mein persönlicher Alptraum. 6-8 Spuren in jede Richtung, rechts und links wird überholt und das in rasender Geschwindigkeit. Diese Geschwindigkeit! Schrecklich! Es gibt sogar Spuren mit Mindestgeschwindigkeit! Nicht Höchstgeschwindigkeit, sondern Mindestgeschwindigkeit: 120 km/h. Wer die Abfahrt verpasst, ist erst mal verloren. Umkehren geht nur mit riesigen Umwegen. Auch hier überall neue Straßen, die google maps so schnell gar nicht erfassen kann. Mir ist schon als Beifahrer übel und ich krampfe mich im Sitz fest. Rene hangelt sich souverän durch das Chaos, während ich mit grünem Gesicht und geschlossenen Augen neben ihm sitze. Selbst fahren? Vergiss es! Ich warte auf die selbstfahrenden Taxis, die bald kommen sollen.

Logo Update
Bavarian Beerhouse Loading….

Aber jetzt zum Geschäft. Dubai hatten wir schon lange als möglichen Standort für unsere bayerischen Restaurants im Auge. Bereits 2009 waren wir auf einer Franchise-Messe hier und haben über einen Standort am Golf nachgedacht. Damals waren wir jedoch in Großbritannien zu beschäftigt, um weitere Filialen zu eröffnen. Auf unseren Reisen nach Südostasien haben wir jedes Jahr in den Emiraten und Abu Dhabi einen Stopover gemacht und die rasanten Fortschritte bewundert. So ist es nicht verwunderlich, dass wir jetzt komplett umziehen.

Bei unseren Besuchen im Januar und März dieses Jahres haben wir bereits Meetings abgehalten, Kontakte geknüpft und vieles vorbereitet. Bei unserem letzten Besuch lernten wir einen Hotelmanager kennen, der uns anbot, ein Restaurant in seinem Hotel zu übernehmen. Bei einer Ortsbesichtigung waren wir begeistert: Ein 500 Quadratmeter großer Saal, der sich perfekt in ein Beerhouse verwandeln ließ. Gesagt, getan. Kaum gelandet, hatten wir Besprechungen mit dem Hoteldirektor, seinem Chefingenieur und einem Architekten. Wie / wo können wir die Küchen einbauen?

Schweine Küche

Küchen? Ja, im Plural. Wir brauchen zwei Küchen: eine Schweineküche und eine Halal-Küche. Muslimisches Land eben. Bei aller westlichen Offenheit: Religion ist Religion, und Schwein geht gar nicht. Also brauchen wir nicht nur eine “Schweinelizenz”, um Schweinefleisch zu verkaufen. Wir brauchen auch eine komplett separate Schweineküche, in der alle Schweineprodukte verarbeitet werden. Sogar Teller, Besteck und Geschirrspüler sind strikt von der übrigen Küche getrennt.

Heidi ohne Dekolleté
Ein Facelift für Heidi

Und weiter ging es mit einer Buchhaltungsfirma, die von der Firmengründung (mainland trading company) über unsere Visa / Residence bis hin zur Buchhaltung alles für uns organisiert. Auch hier: Anderes Land, andere Sitten. Es gibt verschiedene Firmen und Visumsmöglichkeiten. Welche ist die richtige für uns? Wir werden es herausfinden.

Was mir Spaß macht, ist das Marketing. Ich arbeite mit einem kreativen Grafikdesigner zusammen, der unser bestehendes Logo auf den Stand von Dubai 2025 bringt. Unser Logo ist eine Ikone! Jeder, der das Beerhouse kennt, kennt Heidi. Jetzt bekommt Heidi ein Facelift und das Dekolleté verschwindet. Das Dekolleté? Ja, leider. Kein Dekolleté mehr, Heidi traegt nun hochgeschlossen.

Ein Prost. Ein Prost. Ein Prösterchen

Ein Glas Wein. Ein Bier. Oder ein Glas Champagner. Alkohol ist in muslimischen Ländern grundsätzlich verboten. Dry country, heißt das. Trockene Länder. Sehr trocken. Also die Kehlen. Dubai hat die strengen Regeln jedoch schon lange gelockert, und während es anfangs nur in Hotels Alkohol gab, gibt es inzwischen auch freie Restaurants, die den einen oder anderen Tropfen verkaufen. Aber nicht alle! Viele Abendessen haben Rene und ich mittlerweile bei leckeren Fruchtsäften oder einfach nur Wasser verbracht.

Darf man als Tourist Alkohol kaufen?

Man kann. Und zwar in sogenannten Liquor Shops. Diese sind über die ganze Stadt verteilt, aber nicht so leicht zu finden, da Alkohol Werbung verboten ist. Meist an der Seite eines Einkaufszentrums gelegen, sucht man im Schritttempo eine kleine unscheinbare Tür mit der Aufschrift “African Eastern” oder MMI. Hat man die Tür gefunden und geparkt, betritt man das verbotene Reich, einen Raum ohne Fenster, der keine Schnapsdrossel-Wünsche offen lässt. Preislich gilt es als Schnäppchen, wenn eine Flasche Wein weniger als 10 Euro kostet, nach oben gibt es keine Grenzen. Bezahlt wird nach Vorlage des Reisepasses, dessen Daten akribisch gescannt werden. Verkauft wird auch nur an Ausländer, ein Emirati geht leer aus. Prost!

 

90 Prozent der Einwohner Dubai’s sind Ausländer. Sie kommen aus über 200 Nationen.
Dubai 2025

Unser erstes Office in Dubai
Wie geht’s weiter in Dubai?

Das war unsere erste Woche in Dubai. Vielen Dank fuers lesen. Wenn ich Zeit habe schreibe ich weiter, und berichte wie es uns ergeht. Hier könnt ihr den Newsletter abonnieren:

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